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Centre d’Animation Rurale Tambimong Ogaro (CARTO) (Reisebericht Rainer Gruszczynski, 17.05.2015)
50 km von Dapaong in dem Dorf Ogaro befindet sich das Centre d’Animation Rurale Tambimong Ogaro (CARTO (www.cartogaro.org ), das Frère Claude Grégoire dort im Auftrag von FIC (Frères de l’Instruction Chrétienne) leitet: Ein ökologisch ausgerichtetes Gut mit 90 ha Land- und Agroforstwirtschaft einschließlich Viehzucht (Geflügel, Ziegen, Schweine, Rinder) sowie einem landwirtschaftlichen Ausbildungszentrum. Das Zentrum betreibt auch einen Kindergarten, kümmert sich um Schulbildung, Ernährungsberatung und Gesundheitserziehung der Bewohner der umliegenden Dörfer.
Ich besichtigte das Zentrum am Ende der Trockenperiode. Die Felder zeigen sich zurzeit trist. Aber die Bäume, die für die Bodenverbesserung, den Grundwasserspiegel und als Schattenspender so wichtig sind, heben sich wohltuend davon ab.

Agro-Aufforstung / Rinderzucht / Zisterne am Gutshaus
Das Kernstück der landwirtschaftlichen Ausbildung bei CARTO: Jeweils 18 Paare wohnen für 9 Monate im Zentrum und werden dort praktisch und theoretisch ausgebildet, ohne dass sie dafür zahlen müssen (Selbstkosten für CARTO knapp 2 Millionen CFA = ca. 3.000€); anschließend werden sie noch für zwei Jahre vom Zentrum intensiv betreut. Außerdem werden sie finanziell unterstützt, wenn sie für ihren Hof landwirtschaftliche Ausrüstung kaufen. CARTOs Grundidee ist, dass die Paare nach der Ausbildung ihr Wissen als Multiplikatoren an andere Bauern weitergeben.
Beim Rundgang über das Gut fällt mir auf, dass sich jeweils eine kleine Baumschule und eine Kompostgrube an jedem Haus der Bewohner des Gutes befinden. Beides werde ich später auch beim Besuch der Gehöfte der ehemaligen Praktikanten wieder sehen. Ebenso werde ich bei den ehemaligen Praktikanten die Einzäunung der Felder des Gutes durch Jatropha-Pflanzen gegen Wildfraß und Erosion wieder bemerken.
Die Bauern lernen während des Kurses nicht nur Säen, Aufzucht von Bäumen, Techniken der Bodenverbesserung / Düngung, Verhinderung v. Erosion, Kompostierung, sondern sie werden auch angeleitet, Korbgeflechte und Zaungeflechte zum Schutz der jungen Bäumen herzustellen. Und sie setzen diesen Schutz der jungen Bäume auch ein (75% der Setzlinge überleben; ohne Schutz nur 5%).
Brennholz aus Baumschnitt für Verkauf / Brennholz sparender Ofen / selbst erstellter Baumschutz
Der Erfolg der Aufforstung fällt dem Besucher der Umgebung des Zentrums sofort auf, weil die Felder der dort geschulten Bauern neben denen der ungeschulten liegen. Die Flächen der letzteren sehen vergleichsweise erbärmlich dagegen aus, weil dort die oben erwähnten Bäume fehlen. Das gilt im Übrigen auch für die dort benachbarten staatlichen Flächen, die von der Regierung "wissenschaftlich" betreut und bezuschusst werden.
Bei den ausgebildeten Bauern werden die Bäume in Reihen gepflanzt, dazwischen Mais, Sorgho, Erdnüsse, Hirse, Bohnen, Piment, Tomaten. Bei den besuchten ehemaligen Praktikanten wird viel kompostiert. Das ist neben der natürlichen Bodenverbesserung durch das von den Bäumen des Agroforstes herabfallende Laub wichtig, da mit dem Kompostgut auch Gemüsegärten gedüngt werden sollen. Es fällt auf, dass fast keine Obstbäume zu sehen sind, sondern überwiegend Holzlieferanten, darunter viel Eukalyptus; die Erträge der Mangobäume fallen hier sehr spärlich aus.
Das Holz aus den Agroforsten wird auch als Brennholz bzw. für die Herstellung von Holzkohle verkauft. Wenn Holz geschlagen wird, dann nicht durch Fällen, sondern durch Beschneiden der Bäume; die können dann weiter wachsen. Das geschlagene Holz wird zunächst auf dem Feld gelagert, damit die Blätter dort abfallen und den Boden verbessern können.
kleine Baumschule am Wohnhaus / Kompostgrube für Gemüsegarten / Entsorgung von Plastikmüll
Der landwirtschaftliche Betrieb des Zentrums selbst steht wirtschaftlich auf eigenen Füßen. Nur die Ausbildung erfordert eine externe Finanzierung von gut 150 € pro teilnehmendem Paar / Jahr, d.h. nur ca. 75€ fallen pro Person und Ausbildungsjahr an. Die Anzahl der Paare könne, so Frère Claude, nicht erhöht werden, weil diese auch im Zentrum wohnen und verpflegt werden müssten. Sie kommen aus einem Umkreis von ca. 20 km.
Für das Zentrum ist eine Biogasanlage geplant. Die Finanzierung ist aber noch nicht gesichert.
Auffallend ist, dass die Felder nicht künstlich bewässert werden. Der Boden ist zu felsig; häufig stößt man schon nach 30-80 cm Erdreich auf Felsen. – Auffällig ist, dass der kleine künstlich bewässerte Gemüsegarten des Zentrums gut in Schuss ist. Das Zentrum selbst ist gut begrünt, obwohl dort nicht weiter künstlich bewässert wird. Das Grün ist dem Laubfall der vorhandenen Bäume und der dadurch verursachten Bodenverbesserung geschuldet.
Ich frage Frère Claude, ob es nicht möglich sei, dass die ehemaligen Praktikanten, nachdem sie mittels der erhaltenen Ausbildung ihr Einkommen gesteigert haben, nicht ihrerseits die Ausbildung eines Paares finanzieren. Er hält das für eine „sehr gute Idee“, wehrt sie aber ab. Die Leute hier würden von der Kirche erwarten, dass sie von ihren Institutionen eine Gratishilfe bekommen. Das seien sie hier gewohnt.
Auch Herr Moutoré von der OCDI (Organisation de la Charité pour un Développement Intégral) und Leiter der CARITAS Dapaong hatte mir bereits am 12.05. versichert, dass eine kreditfinanzierte Hilfe für kirchliche Organisationen wie OCDI / CARITAS nicht infrage komme. Sie sei nicht durchsetzbar, weil die Missionare bisher Geschenke großzügig verteilt und die Leute sich daran gewöhnt haben. Kosten/Zinsen im Zusammenhang mit Kirche seien undenkbar - auch wenn mein Ansatz im Prinzip gut sei, weil er die Initiative belohnt und zu einem Mentalitätswechsel beitragen könne.
Pater Marian Schwark, der gegenwärtig die OCDI sowie die Diözese in Kpalimé vertritt, sieht das anders. Er hat vorher Diözesen im Norden geleitet hat und viele Entwicklungsprojekte begleitet. Er bestätigt zwar, dass die Missionare dazu beigetragen haben, die Dörfler an Geschenke zu gewöhnen und dass dies die Empfänger von geschenkter Hilfe abhängig gemacht habe. Er zieht aber daraus den Schluss, dass deshalb auch mit Hilfe der kirchlichen EZ ein Mentalitätswechsel herbeigeführt werden müsse: Weg von Geschenken und Bedienung der Opfermentalität, hin zur Belohnung von Eigeninitiative, Selbstverantwortung und wirtschaftlichem Umgang mit erhaltenen Mitteln. Der Pater betont mit gegenüber, dass dieser Paradigmenwechsel auch möglich sei, wenn er gut vermittelt und mit Festigkeit vertreten werde.
Als ich später andere Leute frage, ob sie verstehen, warum eine solche win-win-Situation hier nicht funktionieren soll, hüllen sie sich zunächst in Schweigen. Dies, so habe ich erfahren, ist die übliche Methode, Probleme unter den Teppich zu kehren. Nachdem ich aber mehrfach nachgefragt habe, erfahre ich schließlich – und meinen Gesprächspartner ist das z.T. peinlich – dass „die Schwarzen“ den anderen keinen Erfolg gönnen - auch nicht den, den sie selbst erfahren haben. Eher ziehen sie es vor, so wird mir mehrfach versichert, andere zu schädigen, als dass sie anderen zum Erfolg verhelfen.
18.05.15 – Bevor ich nach Benin aufbreche, um Songhai zu besuchen führe ich noch ein Gespräch mit Repräsentanten von COOPEC SIFA: mit Georges (Stv.Direktor), Charles (Bereichsleiter Sparen und Kredit), Anastasie (Filialleitung Mango). COOPEC SIFA ist eine Spar- und Darlehensgenossenschaft in Dapaong, die sich für die Bewohner der Savannenregion zuständig fühlt. Die SIFA wurde 1996 vom Catholic Relief Service initiiert und arbeitet mit der OCDI Dapaong zusammen. Mich hat das Leistungsangebot der SIFA schon 2012 so sehr überzeugt, dass ich gern mit ihr zusammen Projekte durchführen möchte. Der Filialleiter, den ich schon vor 2 ½ Jahren kennen gelernt hatte, ist leider außer Landes. Georges, Charles, Anastasie und ich diskutieren den "Inclusive-Ansatz" (Zinsverbilligung für die Ärmsten und für junge Unternehmer, um deren Selbständigkeit zu fördern), der vom togoischen Minister für Wirtschaft und Finanzen auf den Weg gebracht wurde. Die Regierung hat nämlich die Entwicklung der ländlichen Regionen für sich entdeckt. Dazu gehört auch die subventionierte Mikrofinanzierung. Allerdings sei das Verfahren sehr schwerfällig, und die Allerärmsten würden nicht erreicht. Das bestätigt mir auch später der togoische nationale Leiter von INADES – eine Institution, die die wirtschaftliche und soziale Entwicklung im ländlichen Raum im Fokus hat und in 10 afrikanischen Ländern aktiv ist (dazu evtl. später mehr). INADES prüft auch Mikrofinanzorganisationen.
Ich komme bim Gespräch mit den SIFA-Leuten auf meine Gespräche wegen kreditfinanzierter Hilfe zurück, die ich geführt hatte mit Frère Claude, Herrn Moutoré und dessen Mitarbeiter Victor und anderen, deren Namen mir entfallen sind. Auch die 3 SIFA-Leute bestätigen mir, dass eine Win-Win-Situation hier nur schwer verfängt. Auch sie betonen, dass hier einer dem anderen den Erfolg nicht gönnt; man müsse auch damit rechnen, dass Praktikanten, die mit der Ausbildung ihr Einkommen deutlich steigern konnten, nicht bereit sind, im Gegenzug dafür andere zu fördern. Hier freue man sich nicht über den Erfolg des anderen, sondern versuche ihn wieder nach unten zu ziehen.
Mein Kommentar und Fazit: Wenn das stimmt, müssen wir Europäer dann unsere Bemühungen um eine Entwicklung in Togo oder gar Afrika nicht völlig neu ausrichten? Müsste dann die Phase der Sensibilisierung z.B., die bei den meisten Projekten am Anfang steht, nicht eine sehr starke soziale Ausrichtung bekommen? Bisher geht es doch darin vor allem um das Verhältnis der Menschen zu den Dingen, darin eingeschlossen die Dinge der Natur. Eine intensive Diskussion ist das allemal wert. Oder?
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Atelier Bon Conseil Nouveau (ABCN) in Kpalimé / Togo
(Tagebuchauszug Rainer Gruszczynski, 08.05.2015)
„08.05.2015 – Kpalimé: Besuch des Atelier Bon
Conseil Nouveau (ABCN) - Laut Dr. Weihreter gilt es als das anerkannt
beste Ausbildungszentrum in Westafrika (Technik (Kfz-Technik /
Maschinen) – Tischlerei / Holzarbeiten –
Klempnerei – Dacharbeiten – Malerarbeiten –
Maurerarbeiten/Bau). In der Tat wirkt es sehr professionell auf mich,
wie ein Wirtschaftsbetrieb. Das betrifft Ausbildung und Verkauf
gleichermaßen. Ausbilder und Lehrlinge vermitteln den Eindruck,
dass sie motiviert sind.
…
Die Schule bildet zurzeit 58 Lehrlinge aus. Die
regelmäßig fast alle ihre Prüfung bestehen. Danach
machen sie sich in der Region von Kpalimé, aus der sie auch
kommen, selbständig. Viele frühere Abgänger haben
inzwischen Häuser in Lomé, die sie vermieten, z.T. sogar
mehrere. Die Lehrlinge haben pro Woche einen Berufsschultag
an der staatlichen Berufsschule.
M. Djossou frage ich, warum das Zentrum einen so guten Ruf hat –
was den Unterschied macht. Antwort: Wir produzieren für den Markt,
und das nachhaltig; wir verdienen unsere Ausbildungskosten. Der Kunde
steht neben der Ausbildung im Fokus. D.h., man will dort nicht nur
ausbilden, sondern auch Geld verdienen mit kostengünstigen
marktfähigen Produkten – eine Produktionsschule eben. Durch
den Verkauf der hergestellten Güter und Leistungen finanziert sich
das Zentrum weitgehend selbst. Die Ausbildung kostet das Zentrum pro
Lehrling ungefähr 100.000 CFA pro Jahr (150 €).“
Diese Ausbildungszentrum ist ähnlich strukturiert wie das Zentrum
der Association des Jeunes Artisans pour le Developpement (33
Lehrlinge, 9 Ausbilder), ebenfalls in Kpalimé. .. Auch dieses
Zentrum trägt sich selbst. Die – gebrauchten - Maschinen
dort sind - wie auch bei ABCN - allerdings in der Regel von
europäischen Unternehmen gespendet. Dort erhalten die Lehrlinge
sogar ein kleines Taschengeld (2-3 € pro Woche), statt für
die Ausbildung zu bezahlen, wie es in Togo üblich ist.
Unter den folgenden Bildern finden sich auch Hinweise zur
Korruptionsvermeidung. Das Thema wird dort sehr ernst genommen. Es wird
im Zentrum auch immer mal wieder mündlich offen
thematisiert. Das soll nicht nur Prophylaxe sein, sondern
geschieht, wie mir der Direktor versichert hat, nach Entdeckung
von entsprechenden Problemen.

Stundenplan für die Berufsschule / Fachbibliothek des ABCN / Betr.: Unzulässiges Abkassieren bei Kunden
RoseÉclat
(Region Ougadougou, Burkina Faso) - Reisebericht Rainer G., 14./15.05.2015)
14.05.2015 - In „Welternährung (1. Quartal 2015) “, der Zeitung der Welthungerhilfe, bin ich auf Madame Touré, und das von ihr in Burkina gegründete und geleitete Unternehmen RoseÉclat aufmerksam geworden.
Ich besuche mit Madame Touré die Produktionsstätte von RoseÉclat nahe Ougadougou. Trotz Himmelfahrt ist die Produktion von Mango-Trockenfrüchten in vollem Gange. 17 Trocknungsgeräte (Kosten je Stück: 1.700 €) sind im Einsatz. Produziert wird an zwei verschiedenen Stätten nahe Ougadoudou. Jahresproduktion ca. 20 t. Neben Mangos – dem Absatzrenner - werden auch andere Früchte verarbeitet - Ananas, süße Bananen, Papaya … sowie Gemüse. Z.B. werden Zwiebeln klein geschnitten oder als Pulver verkauft. Alle Früchte und Gemüsesorten stammen aus biologischem Anbau, der von der europäischen Ecocert-Gruppe zertifiziert wird. Die Trockenfrüchte und Mus sowie Marmelade (s.u.) bleiben bio; dem Saft aber werden Konservierungsstoffe hinzugefügt.
Angefangen hat Madame Touré mit 7 Mitarbeitern. Zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes arbeiteten neben 12 ganzjährig beschäftigten Angestellten, die vor allem für Buchhaltung und Vermarktung zuständig sind, 47 Saisonkräfte im Unternehmen. In der Erntesaison sind es in der Spitze insgesamt ca. 70 Saisonkräfte - Frauen, die dann für 6 Monate ein regelmäßiges Einkommen beziehen.
Madame Touré arbeitet mit groupements (ländliche genossenschaftlich organisierte Vereinigungen) zusammen, damit sie für eine relativ große Anbaufläche nur jeweils einen Ansprechpartner hat. RoseÉclat exportiert Früchte zum überwiegenden Teil über Großhändler in die EU (nach Frankreich, Holland, GB).
Der Sohn arbeitet im Betrieb mit; er hat in Frankreich Wirtschaftswissenschaften studiert. Madame Touré verfügt über einen Universitätsabschluss in internationalem Recht. Angefangen hat sie mit 1.000 € Startkapital und Krediten aus der erweiterten Familie. Banken waren und sind sehr zögerlich bei der Kreditvergabe. Die Konditionen in Burkina zurzeit: 9 ½ % bei Investitionskrediten, 13 ½ % bei laufenden Krediten zur Betriebsführung (déroulement); selbst für Hypothekenkredite müsse sie noch 7% bezahlen (zum Vergleich: in Deutschland zurzeit ca. 2%). Kredite zu Hypothekenkonditionen seien allerdings nur schwer zu bekommen, weil es für Grundstücke in Westafrika nur selten eine Kathastereintragung gibt.
Madame Touré will den Betrieb auf dem von mir besichtigten Gelände erweitern, die Außenmauern für den Anbau stehen schon. Dort sollen die bislang nur ausgesonderten Früchte verarbeitet werden (2. Qualité). Daraus sollen z.B. Saft oder Mus hergestellt werden. Dann könnten die Frauen dort auch mehr als nur 6 Monate Beschäftigung und Einkommen finden. Madame Touré meint, dass sie die Beschäftigungsdauer für die MitarbeiterInnen dann um mindestens zwei Monate verlängern kann.
Madame Touré möchte mich dafür gewinnen, ihre Ausbaupläne mitzufinanzieren. Im Gegenzug will sie zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.
15.05.15 – Ouaga. Besuch im Büro der Welthungerhilfe mit Madame Touré. Wir sprechen mit Monsieur Toe, dem Administrateur National und stellvertretendem Chef der WHH für Westafrika. Er macht deutlich, dass nicht die WHH RoseÉclat unterstützt, sondern dass es umgekehrt läuft. Die WHH selbst darf nur die Armen und ihre Repräsentanten unterstützen, keine privaten Erwerbbetriebe. An Madame Touré habe sich die WHH gewandt, weil diese einen Zugang habe zu verschiedenen groupements / Erzeugergemeinschaften, die RoseÉclat mit Obst und Gemüse beliefern. Diesen fachlichen und persönlichen Zugang von Madame Touré zu den VertreterInnen der groupements habe die WHH auch nutzen können, um ihre Arbeit im ländlichen Raum Burkinas zu verbessern. Außerdem schätze man sie als Präsidentin eines landwirtschaftlichen Verbandes und nehme ihren Rat gern an.
Besuch der zweiten Produktionsstätte von RoseÉclat, die sich ebenfalls in der Nähe von Ouga befindet. Dort werden Ananasfrüchte zu Saft verarbeitet. Außerdem werden dort auch Hibiskusblätter verlesen, aber erst im November für 3-4 Monate. Diese Blätter werden als Duftstoff, vorzugsweise aber als Tee, ebenso wie der Ananassaft nach Europa exportiert. Verkauft werden die Erzeugnisse vor allem in Reformhäusern. Zurzeit ruht der Betrieb der Anlage in dieser zweiten Produktionsstätte. Ich treffe dort aber den Buchhalter von RoseÉclat. Auf Anfrage teilt er mir mit, dass die Eigenkapitalquote des Unternehmens ca. 80% betrage. Madame Touré informiert mich auch über den Kauf eines Obstgartens, ca 300 km von Ouga entfernt. Das Grundstück ist aber noch nicht im Grundbuch eingetragen. Die Papiere dazu seien noch nicht einmal in ihrem Besitz. Ich mache deutlich, dass es bei dieser Kreditwürdigkeit (solvabilité) doch kein Problem sein dürfe, einen Kredit zu erhalten. Sie stimmt zu, hält die Konditionen (s.o.) aber nicht für tragbar, da ihre Gewinnspannen noch zu niedrig seien.

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Mich haben das Konzept und die Unternehmerpersönlichkeit von Frau Touré überzeugt. Auch ihr ebenso klarer wie respektvoller Umgang mit ihren MitarbeiterInnen und – was wohl die Folge davon ist – die aufmerksamen und zufrieden wirkenden Arbeitskräfte haben dazu beigetragen. Ich könnte mir eine Zusammenarbeit mit ihr gut vorstellen. Ich finde es ehrlich und nachvollziehbar, wenn eine Unternehmerin wie Frau Touré sich offen dazu bekennt, mit meiner Hilfe ihre persönlichen Einkünfte erhöhen zu wollen – solange sie mir die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze plausibel darlegen kann, ist das für mich in Ordnung.
Gespräche über Korruptionsvermeidung
(Tagebucheinträge Rainer G. vom 03./04.05. u. 26.05.2015)

Richter Pokanam vom Rechnungshof in Lomé
03. / 04.05.2015 Robert Pokanam besucht; er ist Richter am Rechnungshof in Lomé (Cours de Comptes) Spezialist für die Prüfung von Abrechnungen bei internationalen Projekten (z.B. auch für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) der Weltbank). Unser Thema: Betrug und Korruption in Projekten der EZ in Togo. Monsieur Pokanam erklärt gleich zu Beginn des Gesprächs, dass die international anerkannten Antikorruptionsrichtlinien auch für Togo gelten – auch wenn deren Durchsetzung dort häufig auf Widerstand trifft. In diesem Zusammenhang verweist er nicht nur auf die Praxis, erhöhte Einheitspreise anzusetzen. Ebenso häufig würden auch überhöhte Massen kalkuliert und abgerechnet. Er wirbt entschieden dafür, klare, detaillierte Regeln Leitlinien zur Transparenz in EZ-Projekten zu fixieren und sie für die Zusammenarbeit verbindlich zu machen. Für Togo gilt ein Dossier d’Appel d‘Offre (ADO), in dem Leitlinien für die Angebotserstellung im Rahmen der EZ formuliert sind. Monsieur Pokanam macht deutlich: Wenn Angebote um mehr als 10% voneinander abweichen, muss man wachsam sein. Häufig sei dann Betrug im Spiel. Er fordert Controleurs Externes. Sie sollen für die europäischen Geldgeber als Bausachverständige die Preise überprüfen, aber auch die Gewährleistung für die ausgeführten Arbeiten einer (Garantie de Bonne Execution) sicherstellen. Ein detailliertes Leistungsverzeichnis sei auch in Togo normal. Er zeigt mir ein solches, das er zurzeit als Jurist prüft. Es unterscheidet sich nicht von deutschen Leistungsverzeichnissen. Externe Kontrolleure – dazu gehört auch der Wirtschaftsprüfer – sollen in keinem Fall (!) von der ONG ausgesucht werden, sondern vom ausländischen Partner. Dieser dürfe nicht fahrlässig handeln, müsse seiner Sorgfaltspflicht gerecht werden. Aus juristischen Erwägungen heraus, aber auch, um der Korruption keinen Vorschub zu leisten. Diese Kontrolleure sollten spätestens nach 3 Jahren ausgetauscht werden. Außerdem sollte sich die ONG bzw. ihr Projekt einem audit und einer Evaluation stellen. Das sollte schon vor Projektbeginn angekündigt werden. Das fürchten die ONGs und beflügelt korrektes Verhalten. (Ein Audit untersucht, ob das Projekt in Aufbau, Abwicklung und Ergebnis die geforderten Standards erfüllt.) Ein solches Untersuchungsverfahren gehöre zum Qualitätsmanagements. Die Audits werden von einem speziell hierfür geschulten Auditor durchgeführt. Für den Bereich Rechnungswesen ist das meist ein vom ausländischen Auftraggeber ausgesuchter Wirtschaftsprüfer.
Leider, so Monsieur Pokanam, lassen sich viele ausländische Projektförderer „in Mehl rollen“ (= „einwickeln“). Sie sollten sich stattdessen aber ihrer Rolle im Kampf gegen die Korruption bewusst sein und sie entsprechend ausfüllen.
Monsieur Pokanam bietet mir an, mich bei Bedarf mit Fragen an ihn zu wenden. Auch sei er bereit, Satzungen und Regelwerke unter die Lupe zu nehmen.
Als ich am 26.05.2015 in Lomé mit Sena Adessou, dem Nationalen Leiter von INADES Togo spreche, geht es eigentlich um eine Kooperation zwischen INADES und einer bestimmten ONG (Ich möchte mit seiner Hilfe FonsDev als Mikrofinanzgenossenschaft in ein Projekt einbringen, weil ich nicht glaube, dass die zuständige ONG über ausreichende Mikrofinanz-Kompetenzen verfügt.). Im Verlauf des Gespräches kommen wir aber auch auf das Thema Korruption. Er bestätigt die Aussagen von Monsieur Pokanam in vollem Umfang. Wenn er hört, dass der ausländische Kooperationspartner auf strenge Kontrollen verzichtet, löse das bei ihm nicht nur Kopfschütteln aus, sondern bitteres Lachen.